Ausbildungsvergütung: Anrechnung auf Unterhalt?

Gehalt statt Unterhalt?

Nach der Scheidung der Eltern steht dem Kind Unterhalt zu. Wenn es später sein eigenes Geld verdient, wird neu gerechnet.

Rechtsfrage des Tages:

Im September beginne ich meine Ausbildung und verdiene mein erstes eigenes Geld. Da meine Eltern geschieden sind, zahlt mein Vater mir Unterhalt. Wird meine Ausbildungsvergütung eigentlich irgendwie bei der Unterhaltsberechnung berücksichtigt?

 

Antwort:

Der Beginn der ersten Ausbildung ist eine spannende Zeit. Junge Menschen beginnen, die Weichen für ihre Zukunft zu stellen. Grundsätzlich haben Sie gegenüber Ihren Eltern einen Anspruch auf Unterhalt während der Ausbildung, selbst wenn Sie schon volljährig sein sollten. Nach § 1610 Absatz 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) müssen Ihnen Ihre Eltern eine Ausbildung finanzieren. Unter gewissen Umständen haben Sie sogar Anspruch auf einen Ausbildungswechsel.

Sind Sie minderjährig, wird Ihnen ein Elternteil Barunterhalt zahlen. Das andere Elternteil, bei dem Sie wohnen, leistet sogenannten Naturalunterhalt. Sind Sie volljährig, haben Sie gegenüber beiden Elternteilen einen Anspruch auf Barunterhalt. Während der Ausbildung werden Sie, wahrscheinlich gestaffelt nach dem Ausbildungsjahr, eine Vergütung bekommen. Und diese Vergütung wird auf Ihren Unterhaltsanspruch angerechnet – zumindest teilweise.

Sind Ihre Eltern beide unterhaltspflichtig, wird Ihre Ausbildungsvergütung bei jedem zur Hälfte angerechnet. Bereinigt wird Ihre Vergütung aber um ausbildungsbedingten Mehrbedarf. Diesen können Sie konkret belegen. Oder es wird eine Pauschale abgesetzt. Viele Gerichte setzen dabei einen Wert von 90 € an. Konkret bedeutet das, dass Ihre Ausbildungsvergütung zunächst um beispielsweise 90 € heruntergerechnet wird. Ihr Vater kann dann seinen Barunterhalt um die Hälfte des sich daraus ergebenden Betrags reduzieren.

Sind Sie hingegen volljährig, wird Ihre Ausbildungsvergütung zunächst von Ihrem Bedarf abgezogen. Ihr Bedarf ergibt sich aus der Düsseldorfer Tabelle. Deckt Ihre Ausbildungsvergütung nicht Ihren vollen Bedarf, wird der Rest zwischen Ihren unterhaltspflichtigen Eltern aufgeteilt. Auch bei dieser Berechnung muss Ihre Ausbildungsvergütung natürlich wieder um ausbildungsbedingten Mehrbedarf gekürzt werden. Dazu gehören beispielsweise Bücher und Lehrmittel für die Berufsschule und die praktische Ausbildung. Daneben können auch noch Fahrtkosten angesetzt werden.

Das könnte Sie auch interessieren:

Damit Sie Ihr gutes Recht bekommen

Hier finden Sie garantiert den passenden Tarif. Z. B. den umfassenden Privat-Rechtsschutz für die Lebensbereiche Privat, Beruf, Wohnen und Verkehr.

Ähnliche Beiträge: