Finanzierung der Existenzgründung

An Startkapital kommen

Für viele Gründer ist die Existenzgründungsfinanzierung eine der größten Herausforderungen. Über die Hälfte benötigt Sach- und finanzielle Mittel von Dritten, um den Schritt der Unternehmensgründung gehen zu können. Welche Möglichkeit der Finanzierung sich für Sie eignet, hängt von Ihrer persönlichen Situation und dem Geschäftsfeld Ihres Unternehmens ab.

Hier erfahren Sie mehr über

  • die wichtigsten Finanzierungsmöglichkeiten
  • die Vorbereitung des Bankgesprächs zur Existenzgründung

Wenn Sie sich mit der Finanzierung Ihres Vorhabens beschäftigen, sollten Sie zunächst Ihren Kapitalbedarf ermitteln. Berücksichtigen Sie dabei alle Kosten wie Mieten, Büroeinrichtung, Versicherungen und zusätzlich Ihren sonstigen Lebensunterhalt.

Finanzierungsmöglichkeiten für die Selbstständigkeit

Nach der Ermittlung des Kapitalbedarfs stellt sich die Frage nach der Mittelherkunft:

  • Verfügen Sie über genug Sparguthaben, um Ihr Vorhaben selbst zu finanzieren?
  • Oder benötigen Sie fremdes Kapital?
  • Bietet sich vielleicht eine Kapitalbeteiligung durch einen Investor an?

Finanzierung der Existenzgründung durch Eigenkapital

Eigenkapital ist Kapital, das den Unternehmenseigentümern gehört. Es wurde nicht durch Kredite oder andere Geldgeschäfte finanziert. Diese Mittel stehen dem Unternehmen für unbefristete Zeit und ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung. Sie sind nicht mit Rückzahlungsverpflichtungen belastet.

In vielen Fällen ist Eigenkapital sogar eine Voraussetzung für einen Kredit. Außerdem dient es als Puffer für mögliche Verluste.

Im Gegensatz zu Fremdkapital kann es kurzfristig und flexibel eingesetzt werden. Außerdem machen Sie sich durch den Gebrauch von Eigenkapital nicht von Kreditgebern abhängig und behalten Ihre volle Entscheidungsgewalt.

Die goldene Finanzregel besagt:

  • Idealerweise wird das gesamte Anlagevermögen durch Eigenkapital gedeckt.
  • Das Umlaufvermögen wird mit Fremdkapital finanziert.

Unter Anlagevermögen versteht man Vermögenswerte, die für immer fest im Unternehmen gebunden sind (z. B. Grundstücke, Maschinen, Wertpapiere).

Das Umlaufvermögen dagegen steht dem Unternehmen nur für kurze Zeit zur Verfügung. Dazu gehören Betriebsmittel, Forderungen und liquide Mittel. Aus der Summe der beiden Vermögen ergibt sich das Gesamtvermögen.

Je mehr Eigenkapital ein Unternehmen besitzt, desto höher ist die Eigenkapitalquote. Eine hohe Eigenkapitalquote führt zu einer besseren Unternehmensbewertung. Dadurch steigt wiederum die Kreditwürdigkeit des Unternehmens.

Beteiligungskapital zur Finanzierung der Existenzgründung

Eine Möglichkeit der Finanzierung: Ein anderes Unternehmen oder eine Privatperson beteiligt sich mit Kapital an Ihrem Unternehmen. Dazu kauft der Investor Anteile am jungen Unternehmen. Oft profitieren Sie als Gründer zusätzlich vom Know-how und vom Netzwerk des Kapitalgebers. Außerdem steigert die Beteiligung den Wert Ihres Unternehmens.

Ein weiterer Vorteil dieser Finanzierungsmöglichkeit: Das Beteiligungskapital erscheint in Ihrer Buchführung unter Eigenkapital. Dadurch erhöht sich die Eigenkapitalquote. Damit ist es einfacher, bei der Bank einen Kredit für weiteres Kapital aufzunehmen. Außerdem müssen Sie keine Sicherheiten stellen.

Man unterscheidet zwischen offenen und stillen Beteiligungen. Ein stiller Gesellschafter erwirbt keine Unternehmensanteile, sondern bringt lediglich Vermögen ein. Dagegen hat der offene Gesellschafter Mitsprache- und Informationsrechte, wird am Gewinn beteiligt und tritt nach außen als Gesellschafter auf.

Wer beteiligt sich an Unternehmen?

Es gibt ganz verschiedene Arten von Investoren:

  • Beim Crowdinvesting bzw. Crowdfunding sind Internetcommunitys die Investoren: Kleinanleger informieren sich über junge Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle. Dann erwerben mehrere Beteiligte mit relativ niedrigen Beiträgen Anteile am Unternehmenswert oder am Gewinn des Unternehmens.
  • Für Start-ups bieten sich erfahrene Unternehmer an, die sogenannten Business Angels.
  • Auch der High-Tech Gründerfonds unterstützt Gründer in der frühen Finanzierungsphase mit Kapital und Wissen.
  • Spezielle förderorientierte Beteiligungsgesellschaften stellen in einigen Bundesländern Beteiligungskapital für junge Unternehmen zur Verfügung.
  • In allen Bundesländern sind Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBGen) vertreten. Diese Verbände, Banken und Kammern engagieren sich meist als stille Gesellschafter.
  • Private Kapitalbeteiligungsgesellschaften investieren in Start-ups mit hohem Wachstumspotenzial. Nach ungefähr 4 bis 7 Jahren wollen sie das Unternehmen mit einer möglichst hohen Rendite verlassen.

Für alle Arten von Investoren gilt: Am leichtesten überzeugen Sie sie mit einem professionellen Businessplan.

Kredite für Selbstständige

Gewöhnlich kommen Selbstständige nicht ohne Kredite oder Darlehen aus. Onlinekredit, Förderkredit, Kredit für Selbstständige von Privat – Sie können aus einem breiten Spektrum wählen. Doch eines haben alle gemeinsam: Durch eine Kreditaufnahme verschulden Sie sich gegenüber einem Gläubiger. Dieser Gläubiger kann z. B. Ihre Hausbank sein. Mit der Verschuldung verpflichten Sie sich zur Rückzahlung der gesamten Summe – zuzüglich Zinsen.

Grundvoraussetzung für die Kreditvergabe sind ausreichende Sicherheiten. Dazu zählen z. B. Maschinen, Wertpapiere und Bürgschaften Dritter.

Kontokorrentkredit

Als kurzfristiger Kredit zur Überbrückung von Engpässen bietet sich für Selbstständige der Kontokorrentkredit an. Dieser Überziehungs- oder Dispositionskredit eignet sich bei geringerem Kapitalbedarf. Während der Kredit mit Flexibilität und Einfachheit punktet, sind die zu zahlenden Zinsen deutlich höher als bei einem klassischen Kredit.

Bankdarlehen

Ihre Hausbank vergibt zum marktüblichen Zins Bankdarlehen, z. B. für Betriebsmittel und Investitionen. Anders als bei Förderkrediten benötigen Sie dafür bankübliche Sicherheiten.

Förderkredite

Diese Kredite werden entweder von der nationalen Förderbank KfW oder dem Landesförderinstitut vergeben. Beantragt werden sie i. d. R. bei der Hausbank. Förderkredite werden niedriger verzinst. Die Vereinbarungen zu Sicherheiten und Rückzahlung sind erleichtert. Laufzeiten und Summen variieren.

Zuschüsse als Fördermittel für die Existenzgründung

Es gibt verschiedene Zuschüsse für Gründer. Etwa den Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit oder das EXIST-Gründerstipendium.

Zuschüsse beantragen Sie bei den Behörden von Bund und Ländern. Es handelt sich um sogenannte Kann-Leistungen. Das bedeutet, Sie haben keinen gesetzlichen Anspruch darauf. Zuschüsse können Sie für Investitionen, Forschung und Beratung nutzen. Normalerweise müssen Sie diese Zuwendungen nicht zurückzahlen.

Wichtig: Informieren Sie sich rechtzeitig. Und achten Sie bei der – nicht ganz einfachen – Antragstellung darauf, keine Formfehler zu machen.

Bankgespräch zur Existenzgründung

Das Bankgespräch zur Existenzgründung sollten Sie gut vorbereiten. Nur wenn Sie die Bank von Ihrem Vorhaben überzeugen, unterstützt sie Sie finanziell bei der Umsetzung.

Außerdem können Sie sich während des Gesprächs ein Bild von der Professionalität des Bankberaters und der Eignung der Bank machen. Wichtig ist natürlich auch, dass die Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Berater stimmt.

Tipps für das Bankgespräch

  • Recherchieren Sie ausgiebig die verschiedenen Kreditinstitute und vergleichen Sie deren aktuelle Bankkonditionen. Holen Sie ruhig mehrere Angebote ein.
  • Vereinbaren Sie den Gesprächstermin mit der Bank Ihrer Wahl frühzeitig. Seien Sie pünktlich und planen Sie ausreichend Zeit ein.
  • Wenn Sie sich unsicher fühlen, üben Sie das Bankgespräch vorher mit einem Dritten.
  • Wählen Sie für einen guten ersten Eindruck zu Ihrer Branche passende, saubere und seriöse Kleidung.
  • Beantragen Sie eine Wirtschaftsauskunft bei einem Schuldnerverzeichnis.
  • Informieren Sie sich vor dem Bankbesuch über Förderprogramme und bankübliche Fachbegriffe. Beispiele: Bonität, Rentabilität, Liquidität, Nominal- und Effektivzins, Bürgschaft, Kreditarten, Anlage- und Umlaufvermögen, Betriebsmittel.
  • Überzeugen Sie den Bankmitarbeiter mit Kompetenz, Fachwissen, Selbstbewusstsein und strukturierten Antworten.
  • Stichhaltige Informationen und gute Argumente sind wesentlich. Beschreiben Sie Ihr Vorhaben ausführlich. Auch Probleme, die die Bank sehen könnte, und mögliche Lösungen dafür sollten Sie offenlegen. Erläutern Sie Ihr Potenzial hinsichtlich Umsatz und Ertrag. Und verdeutlichen Sie, was Sie von der Konkurrenz unterscheidet. Realistische Zahlen und Belege dafür sind unverzichtbar.
  • Zur Unterstützung können Sie einen Unternehmensberater mitnehmen. Sie sind allerdings der Hauptansprechpartner für Ihre Existenzgründung.
  • Seien Sie auf Fragen vorbereitet, beispielsweise zu Ihrer Branche.
  • Erwähnen Sie ruhig die Angebote der Konkurrenz. Ein wenig zu handeln, ist auch erlaubt.
  • Dokumentieren Sie schriftlich, was besprochen wurde. Lassen Sie das Dokument von den Gesprächsteilnehmern gegenzeichnen. Halten Sie auch Ihre persönliche Wahrnehmung sowie Besonderheiten des Gesprächs fest.
  • Holen Sie sich Feedback ein: Fragen Sie den Bankberater im Anschluss nach seinem Eindruck.
  • Bringt das Bankgespräch kein positives Ergebnis, erkundigen Sie sich nach den Gründen. Überarbeiten Sie Ihr Konzept und vereinbaren Sie Termine bei anderen Banken bzw. Sparkassen.

Unterlagen zur Unternehmensgründung beim Bankgespräch

Zu dem Gespräch mit dem Berater sollten Sie gut durchdachte, strukturierte Unterlagen mitbringen. Erkundigen Sie sich schon bei der Terminvereinbarung, welche Unterlagen der Berater erwartet und was Sie zusätzlich beachten sollten. Wichtige Unterlagen sind z. B.:

  • Persönliche Dokumente wie Lebenslauf, Zeugnisse und Eigenkapitalnachweis
  • Nachvollziehbarer Businessplan für die Existenzgründung und Kurzpräsentation des Plans
  • Kapitalbedarfsplan mit schlüssigen Kostenvoranschlägen
  • Liquiditätsplan mit den detailliert ausgearbeiteten voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben
  • Rentabilitätsplan mit Gegenüberstellung von Kosten und Umsatz
  • Alle noch nicht unterschriebenen Verträge
  • Auflistung von Sicherheiten (Wertpapiere, Immobilien, Fonds usw.) und evtl. Bürgschaften

Fazit

Sobald Sie eine Geschäftsidee haben: Machen Sie sich Gedanken über die benötigte Geldmenge und deren Herkunft.

Die Möglichkeiten zur Finanzierung einer Existenzgründung sind sehr komplex. Sie können aus einem breiten Spektrum an Finanzierungsmöglichkeiten wählen. Beratungsstellen für Existenzgründer helfen, wenn Sie

  • keine Vorstellung haben, wie viel Geld Sie benötigen
  • sich unsicher sind
  • Fragen haben

Der Businessplan ist fertig? Dann bereiten Sie das Bankgespräch oder den Termin mit anderen Investoren gut vor. Nur wenn Sie bei diesen Gesprächen überzeugend sind, dürfen Sie mit fremdem Kapital rechnen.

Die Wahl der Finanzierungsmöglichkeit liegt bei Ihnen. Achten Sie darauf, dass die Finanzierung zu Ihrer persönlichen Situation passt. Und zu der Ihres Unternehmens.

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